Ballaststoffe: Vom Wundermittel zur Abnehmhilfe


Ballaststoffe haben eine steile Medienkarriere hinter sich. Nachdem sie Anfang der 80er Jahre als Wundermittel vor allem gegen Darmkrebs galten, ist die Euphorie im Laufe der Jahre etwas abgeebbt.


Angefangen hat alles in Afrika mit Herrn Dr. Burkitt. Der führte damals Feldstudien zusammen mit anderen Wissenschaftlern durch und konnte folgendes feststellen: Diejenigen, die eine höhere Konzentration diverser Ballaststoffe täglich zu sich nahmen, erkrankten wesentlich weniger an Darmkrebs.

Die Theorie sah folgendermaßen aus: Die Ballaststoffe sorgen während der Verdauung für eine größere Stuhlmenge, diese verdünnte unter anderen auch die krebserregenden Substanzen im Darm. Die Verweildauer wird dadurch um ein Vielfaches verkürzt - das Darmkrebsrisiko sinkt. Soweit zur Theorie.

Wissenschaftliche Untersuchungen in den nächsten Jahrzehnten zeigten, dass die Studien von Herrn Dr. Burkitt methodische Schwächen haben. Oder anders gesagt er hat nicht alle möglichen Rahmenbedingungen und Einflussgrößen gleichermaßen untersucht.

So konnte festgestellt werden, dass Variablen wie das Alter, die Eßgewohnheiten oder auch die genetische Veranlagung eine ganz entscheidende Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielen. Wie bei vielen anderen Krebsformen ist es seine Komplexität, die Darmkrebs so unberechenbar macht.

Mitte der Neunziger stand das Ergebnis unumstößlich fest: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Ballaststoffen und dem Auftreten von Darmkrebs. Mit dieser wissenschaftlichen Widerlegung sank auch das große öffentliche Resümee der Ballaststoffe.

Allerdings ist es nicht so, dass Ballaststoffe keine Wirkung haben, obwohl man mit Ballaststoffen eben Selbiges verbindet, nämlich einen unnötigen Ballast. Und auf den ersten Blick macht es auch den Anschein, dass der Köper mit diesen Nährstoffen nicht allzu viel anfangen kann und sie unverdaut wieder ausscheidet – allerdings nur auf den ersten Blick.

Ballaststoffe kommen nur in pflanzlichen Produkten vor – man unterscheidet zwischen unlöslichen und löslichen Ballaststoffen. Die Löslichen haben einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie können Wasser binden und dadurch auch andere Substanzen.

Beispielsweise binden sie Gallensäure, was den Cholesterinspiegel sinken lässt. Oder sie hemmen fettspaltende Enzyme, wodurch weniger Fett deponiert werden kann. Auf indirektem Wege fördern Ballaststoffe durchaus die Gesundheit.

Und dann bewirken sie noch den berühmten, von allen Diät-Teilnehmern herbei gesehnten Sättigungseffekt, da Ballaststoffe in Verbindung mit Wasser im Magen aufquellen und so dem Körper einen volleren Magen suggerieren.

Diese kleine Mogelei wird uns unser Körper mit Sicherheit verzeihen, wenn er dadurch die Aussicht auf eine gesündere Lebensweise hat.

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