Diät-Märchen: Fatburner


Ja wir kennen sie alle, die angeblichen Fatburner Ananas, Koffein & Co.. Nur leider scheint sie unser Körper noch nicht zu kennen, denn er verbrennt mit den guten Zutaten nicht mehr Fett als zuvor. Wer wissen will, was wirkliche Fatburner sind und was nicht, liest weiter:

L-Carnitin verbrennt kein Fett

Unser Körper lässt sich ja nicht gern in seine Angelegenheiten reinreden, sondern nimmt das lieber selbst in die Hand: Er produziert eigene Fatburner

So zum Beispiel „Glucagon“ und das Wachstumshormon „Somatotropin“. Auch L-Carnitin, ein Wirkstoff der in vielen Fitnessdrinks als Fettburner angepriesen wird, wird vom Körper selbst produziert. Wozu dann noch zusätzliche Tabletten und Pülverchen?

L-Carnitin, zum Beispiel, kann aus den Aminosäuren Methionin und Lysin im Körper gebildet werden. Das meiste L-Carnitin nehmen wir jedoch über das (rote) Fleisch in unserer Nahrung auf. Das Suspekte an der Theorie dieses Fatburners ist: Nur Menschen mit gutem Fettstoffwechsel weisen in ihrem Muskelgewebe einen hohen L-Carnitin Anteil auf.

L-Carnitin ist also eher Folge von guter Fettverbrennung als Auslöser dafür. Genauer: Der vitaminähnliche Stoff L-Carnitin regt in den Mitochondrien die Fettverbrennung an. Nur wenn genügend Muskelzellen vorhanden sind, kann auch genügend Fett über diese Muskeln, mit Hilfe von L-Carnitin, verwertet werden. Sport ist also hier der wirkliche Fettburner und nicht das L-Carnitin. L-Carnitin ist nur ein Rezeptor – eine Art Transportmittel.

Man sollte zudem wissen, dass ca. 98% des aufgenommenen L-Carnitins in den Knochen eingelagert wird. Die übrigen 2 Prozent L-Carnitin werden, bis auf ein paar Milligramm, den Weg in die Freiheit über die Nieren finden. Bevor man sein Geld also in L-Carnitin Produkte steckt, sollte man lieber ein leckeres Lammsteak essen – enthält auch viel L-Carnitin und macht dazu noch satt.

Enzyme und Vitamine verbrennen kein Fett

In vielen Diätbüchern wird von Enzymen als Fettburnern gesprochen. Enzyme gelangen noch nicht einmal ansatzweiße an die Stellen des Körpers an denen Fett sitzt. Enzyme bestehen aus Proteinen und diese werden im Magen bereits zersetzt.

Der Fettstoffwechsel beginnt zwar auch schon im Magen, 10-30% der aufgenommenen Fette werden im Magen zerlegt, aber erst im Darm wird der Großteil der Fettsäuren ans Blut abgegeben.

Wer also meint mit einer Ananas und Zitronen (Vitamin C) die Fettverbrennung ankurbeln zu können, folgt der „Zitrusreiniger-Logik“, oft in Artikeln und Büchern zum Thema Fatburner zu erkennen. Die „Zitrusreiniger-Logik“ besagt,dass mit säure- und enzymhaltigen Lebensmitteln das Fett vom Körper „gelöst“ werden kann, genau wie zu Hause mit dem Reiniger das Cerankochfeld entfettet wird. So etwas gibt es im menschlichen Körper leider nicht. Sag der „Zitrusreiniger-Logik“ Lebewohl und mach statt der „3-Tage-Ananas-Diät“ täglich Sport.

Fettverbrennungspuls verbrennt wenig Fett

Den Körper muss man nicht zur Fettverbrennung animieren. Ganz im Gegenteil: Er tut es freiwillig und verbrennt 24 Stunden am Tag Fett aus den Speichern. Je nach Belastung greift der Körper auf verschiede Energiequellen zu. Umso weniger Belastung (geringer Herzschlag), desto höher der Anteil an Fett (prozentual) der verbrannt wird. Umso höher die Belastung, desto höher der Anteil an Glukose (prozentual) der verbrannt wird. Milchmädchenrechnung: »Dann bewege ich mich nie, mache kein Sport und nehme trotzdem Fett ab«. Ganz so einfach ist es natürlich nicht!

Bei geringer Belastung im oft empfohlenen „Fettverbrennungspuls“ (130 Herzschläge pro Minute) ist der Energieverbrauch gering. Etwa 8 Kilokalorien pro Minute. Der prozentuale Anteil an Fett der verbraucht wird, ist jedoch hoch. Er liegt bei 70 bis 80%. Der Körper verbrennt also wenig Energie, aber von dieser wenigen Energie die er verbrennt stammt ein Großteil aus Fett. Insgesamt macht das 6 Fettkalorien pro Minute.

Andersherum: Wenn der Körper mehr belastet wird (160 Herzschläge pro Minute), verbraucht er mehr Energie: etwa 17 kcal pro Minute. Nun ist der prozentuale Anteil an Fett bei der Verbrennung geringer, so um die 50 %. Weil bei höherer Belastung aber mehr Energie verbraucht wird, geht auch mehr Fett in die Verbrennung. Es sind ganze 8 Fettkalorien pro Minute.

Da kann man nur nach Einstein schlussfolgern: Der Fettverbrennungspuls ist relativ. Wer eher für’s Absolute ist, die effektive Fettverbrennung, sollte bei höherer Herzfrequenz Sport treiben. Die Fatburner-Bücher und Empfehlungen zum „Fettverbrennungspuls“ werden sich wohl noch eine Weile halten. Allein, weil sie uns von jedem Cardiogerät im Fitnessstudio anblinken. Wer aber wirklich Fett verbrennen will, muss schwitzen und das nicht wenig.



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Kommentare (2)
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Autor: Claudia verfasst am 10.09.2008 14:46
Claudia ist begeisterte Freizeitsportlerin und seit ihrer eigenen Diät, bei der sie ganze 25 Kilo verlor, bestens über Diäten, Abnehm-Methoden und Fitness informiert. Nach ihrer Schwangerschft versucht sie nun Sport, Job und Kind unter einen Hut zu bekommen - was manchmal nicht so einfach ist.
 
Verfasst von
Abnehmer
am 24.09.2008
17:30 Uhr
.... anders ausgedrückt bedeutet insbesondere die Aussage zum optimalen Fett-Verbrenn-Puls ja nichts anderes, als dass die Fettverbrennung zwar mit der Pulshöhe steigt, aber eben nicht linear (20% mehr Puls = 20% Mehr Fettverbrennung), sondern degressiv, also unterproportional. Insofern wäre es für Untrainierte, die nicht mal eben so eine dreiviertel Stunde Sport bei Puls 160 durchhalten, schon eine gute Alternative, wenn sie eher "gemütliche" bei Puls 130 trainieren, das dann aber auch wirklich machen und so zu Ihrem Wunschgewicht kommen....
 oder 
Verfasst von
Peggy
am 25.09.2008
14:55 Uhr
... sollte man versuchen, sich schon etwas zu verausgaben. Eben nicht mal gemütlich auf dem Crosstrainer vor sich hin laufen, sondern ab und an den Puls auch etwas in die Höhe treiben. Siehe auch dieser Artikel: http://www.abnehmen.net/wissen/sport/fettverbrennung-nur-mit-richtigem-puls
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