abnehmen.net

Das chronische Müdigkeitssyndrom

Wenn man ständig müde ist und kaum die Augen offen halten kann, muss das nicht immer am harten Training oder an zu wenig Schlaf liegen. Oft ist eine Krankheit daran schuld, die man chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) nennt. Obwohl viele Menschen davon betroffen sind, gibt es beim CFS noch viele offene Fragen.

Jeder hat sich schon einmal müde und schlapp gefühlt. Beim Training kann man kaum ein Bein vors andere setzen und wegen der fehlenden Konzentration gelingen einem die einfachsten Sachen nicht. Eine durchzechte Nacht, wenig Schlaf oder Übertraining müssen nicht immer schuld sein, wenn man ständig müde ist. Oft ist eine Krankheit schuld, die bis heute den Medizinern viele Rätsel aufgibt: das chronische Erschöpfungssyndrom (med. myalgische Enzephalitis), das auf Englisch Chronic Fatigue Syndrome (CFS) genannt wird.

Beim CFS werden schon einfache Alltagsaufgaben zu einer enormen Herausforderung. An Sport ist bei der myalgischen Enzephalitis gar nicht zu denken.

Symptome des CFS

Die Symptome beim chronischen Müdigkeitssyndrom sind, unabhängig vom Geschlecht und dem Alter, weitgehend dieselben. Neben der dauerhaften Erschöpfung, die ähnlich groß ist wie nach einem Marathonlauf, sind viele CFS-Patienten durch die Müdigkeit wie gelähmt. Sie klagen zudem oft über Kopf-, Hals-, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Auch der längste Schlaf bringt keine Energie in den Körper, und die Betroffenen fühlen sich schon nach der kleinsten Anstrengung wie ausgelaugt. Weitere Symptome sind Konzentrationsschwächen und sogar Gedächtnisausfälle. Insofern werden durch das CFS nicht nur körperliche, sondern auch die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt.

Um das CFS zu diagnostizieren, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • körperliche und geistige Fähigkeiten sind beeinträchtigt
  • die Beeinträchtigung darf durch keine andere Ursachen/Krankheiten entstehen
  • schlagartiger Beginn
  • Erschöpfungszustand länger als 6 Monate

Schätzungen gehen davon aus, dass alleine in Deutschland rund 300.000 Menschen vom chronischen Erschöpfungssyndrom betroffen sind, vor allem Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren. Das Dramatische beim CFS ist, dass sich nur rund 10 Prozent wieder komplett von der Krankheit erholen.

Frau liegt seitlich im Bett und schläft.

©istock.com/dolgachov

 

Diagnose des CFS

Da das CFS keine klaren Symptome aufweist, ist es nur schwer zu diagnostizieren. Es kann weder durch Röntgen oder eine andere Bildgebung erkannt werden. Und rund 25 Prozent der Patienten klagen bei ihrem Hausarzt über Erschöpfungszustände, wobei nur ein Bruchteil unter dem CFS leidet. Insofern kann das chronische Erschöpfungssyndrom nur per Ausschlussverfahren diagnostiziert werden, wenn andere erschöpfende Krankheiten wie beispielsweise Aids, Blutarmut, Hepatitis, Diabetes, Borreliose, verschiedene Krebs-Varianten, Multiple Sklerose, Parkinson, Schlafapnoe, Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, Angstzustände oder Depressionen ausgeschlossen wurden. Hier ist zu beachten, dass Angstzustände und Depressionen auch eine Reaktion auf das CFS sein können.

Wie entsteht das CFS?

Noch ist den Medizinern nicht klar, wie, warum und bei wem das CFS entsteht. Es gibt Theorien, die ein durch verschiedene Ursachen geschwächtes oder auch aktiviertes Immunsystem für den Erschöpfungszustand verantwortlich machen. In der Regel entsteht das CFS nach einem Infekt. Auch intrazelluläre Erreger wie das Eppstein-Barr-Virus, Mykoplasmen, Chlamydien oder Borrelien könnten das CFS auslösen. 2009 stellten Wissenschaftler bei zwei Dritteln der untersuchten CFS-Patienten ein bestimmtes Retrovirus (XMRV) fest, das sie für die Krankheit verantwortlich machten, da dieses Virus nur bei vier Prozent der gesunden Bevölkerung vorkommt. 2010 allerdings wurde in einer weiteren Studie bei keinem von 186 untersuchten CFS-Patienten das XMRV festgestellt.

Behandlung des CFS

Da die Ursachen noch nicht genau klar sind, kann das CFS auch nicht wirklich behandelt werden. Die aktuelle Therapie versucht, zumindest die Mangelzustände auszugleichen. Dazu gehört beispielsweise, die Ernährung umzustellen. Auch eine Immun-, Physio-, Psycho- oder Schmerztherapie gehört zum Standard-Programm. Des Weiteren sollen Patienten versuchen, sich nur bis zur Ermüdungsgrenze zu belasten, da die Erholungspausen deutlich länger sind als bei gesunden Personen.

Umgang mit der CFS

Für Außenstehende ist es oft nur schwer zu erkennen, dass die Betroffenen tatsächlich krank sind und sich nicht einfach hängen lassen. Wer unter dem CFS leidet, gerät schon durch alltägliche Aktionen wie Duschen oder Anziehen an die Grenze seiner Belastbarkeit. Da dies meist durch das Umfeld nicht nachzuvollziehen ist und das Verhalten seltsam anmutet, zerbrechen viele Kontakte und die Betroffenen verlieren nicht nur ihre Energie, sondern auch Freunde. Insofern muss nicht nur bei der Krankheit, sondern auch beim Umgang damit noch viel Aufklärung betrieben werden.

Auto: Christian Riedel

Hier geht’s zum Originalartikel auf netzathleten.de