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Eiweiß in der Ernährung

Rinder, die mit Eiweiß gemästet werden, wachsen schneller und sind nach kürzerer Zeit schlachtreif als die gemütlichen Wiesenbewohner. Im Laufe der Evolution haben sich Kühe optimal an das Fressen und Wiederkäuen von Gras und Wiesenblumen angepasst. Sie sind optimal für diese Kost ausgestattet und brauchen keine toten Schafe. Eiweiß ist für Rinder nur der schnelle Weg zum gewünschten Schlachtgewicht. 

In der Diskussion um die menschliche Ernährung hat sich der Begriff „Kohlenhydratmast“ etabliert. Damit ist die mutmaßlich ungesunde stärke- und kohlenhydratreiche Ernährung gemeint, die für das Übergewicht verantwortlich gemacht wird. So wie Eiweiß bei den Wiederkäuern sollen uns Kohlenhydrate zu mehr Körpergewicht verhelfen – nur ist dieser Effekt bei Menschen in der Regel unwillkommen. Sind Müsli und Brötchen also für Menschen nicht artgerecht?

Als unsere Gattung vor 2,5 Millionen Jahren entstand, waren unsere Vorfahren Jäger und Sammler. Sie aßen Früchte, Beeren, Wurzeln und Nüsse, dazu Fisch und Fleisch. An diese Kost hat sich der homo sapiens sapiens körperlich angepasst.

Erst vor 10.000 Jahren – für die Größenordnungen der Evolution ein Wimpernschlag – erfand der Mensch den Ackerbau. Doch schon vor 23.000 Jahren sammelten unsere Vorfahren Wildgerste und mümmelten mit den ersten dünnen Ähren pure Kohlenhydrate.

Körperlich weiterentwickelt hat der Mensch sich seitdem nicht. Unsere genetische Ausstattung ist immer noch die eines Steinzeit-Menschen. Genau genommen ist die Zeit der Sammler und Jäger noch lange nicht vorbei: Viele Urvölker leben noch immer so wie unsere Vorfahren aus der Zeit der Menschwerdung. Ihre Ernährungsgewohnheiten sind zum Teil recht gut erforscht.

Ziehen Angehörige solcher Gruppen in die „Zivilisation“ der westlichen Welt und stellen ihre Ernährung etwa auf gängiges amerikanisches Essen um, so verschlechtern sich ihre Blutfettwerte, und das Risiko für Brust- und Darmkrebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes nimmt zu – genau wie ihr Körpergewicht. Insofern ist es richtig anzunehmen, dass unser Stoffwechsel nicht optimal auf unsere Zivilisationsnahrung angepasst ist. Doch muss das nicht heißen, dass allein Kohlenhydrate krank machen und der Mensch im Umkehrschluss ein reiner Fleischfresser sei.

Stellt euch eine jungsteinzeitliche Prärie vor, dazu eine Schar fellbehangener Frühmenschen, die mit groben Speeren mit mäßig scharfen Steinspitzen, mit Faustkeilen und Steinäxten bewaffnet sind. Zu Fuß ziehen sie umher, um schnelle Hirsche oder gewaltige Mammuts zu erlegen.

Haltet ihr es für wahrscheinlich, dass die Jäger tag-täglich erfolgreich waren? Glaubt ihr, dass es allabendlich in der bemalten Höhle ein üppiges Fleischgelage gab? Wohl kaum. Weder unser Verdauungstrakt noch unsere Zähne sind typisch für Fleischfresser. Eine hauptsächliche Eiweiß Ernährung ist eher unwahrscheinlich.

Tatsächlich scheint der Durchschnittsmensch für eine ausgewogene Mischkost angepasst. Fleisch liefert ihm essentielle Aminosäuren, Samen und Nüsse wertvolle Fette, Früchte und Beeren wichtige Vitamine und Spurenelemente, Wurzeln und Samen lebensnotwendige Energie und Ballaststoffe.