Tomatensaft trinken im Flugzeug


Tomatensaft im Flugzeug trinken ist ein Phänomen – nirgends woanders wird Tomatensaft so oft bestellt, wie im Flugzeug. Das ist der Hauptgrund, warum sich die Hersteller von Tomatensaft besonders auf den Verkauf über Fluggesellschaften konzentrieren. Aber was ist das Geheimnis des Flugzeug- Tomatensaftes, was steckt dahinter?

Selbst Wissenschaftler haben sich schon an diesem Thema versucht, um den gesteigerten Appetit von Tomatensaft in der Luft zu enträtseln. Tomatensaft spricht im besonderen Maße unsere Geschmacksnerven an – zusammen mit Pfeffer entsteht so eine ganz besondere Geschmacksnote. Aber machen das nicht andere Nahrungsmittel auch?

Ein These beruft sich auf den Domino-Effekt. Das heißt, weil mein Nachbar Tomatensaft bestellt, tue ich das auch. Kann sein – das müsste mit anderen Getränken ja genauso funktionieren, tut es aber nicht. Eine andere Theorie sieht den Grund in dem hohen Nährwert des Tomatensaftes. Da unsere Geschmacksnerven im Flugzeug besonders auf Salzstangen und Co. verzichten müssen, bestellen die Menschen verstärkt Tomatensaft. Die Zahlen sprechen für sich. Im Jahre 2008 schenkte die Lufthansa 1,7 Millionen Liter Tomatensaft an ihre Gäste aus. Zum Vergleich: Bier waren es nur 1,6 Millionen Liter.


Geschmacksnerven reagieren anders 


Das wirkliche Geheimnis soll in unseren Geschmacksnerven zu suchen sein. Die regieren nämlich am Boden anders als in 10.000 Meter Höhe – Schuld daran ist der veränderte Luftdruck. Dieser hat unmittelbaren Einfluss auf unsere Geschmacksnerven. So wird Salz und Zucker im Flugzeug weniger intensiv wahrgenommen – die Folge: Die Passagiere bedienen sich im Flugzeug beider Dinge sehr reichlich. Beim Aroma verhält es sich umgekehrt – das entfaltet erst in luftiger Höhe seine ganze Kraft.

Unsere Geschmacksnerven regieren im Flugzeug auf das fruchtig-würzige Aroma von Tomatensaft besonders intensiv – die Folge ist eine verstärkte Nachfrage nach dem Gemüsedrink. Diese Unterschiede der Geschmacksnerven ist auch den Fluggesellschaften bekannt. Sie arbeiten deshalb eng mit Nahrungsmittel-Chemikern zusammen. Denn die Verwirrung der Geschmacksnerven macht auch vor anderen Lebensmitteln nicht Halt. Was für die einen ein Segen ist, ist für andere Nahrungsmittel eine Desaster. So werden Weißweine oft als sauer und Kaffee als zu bitter empfunden. Diese Erkenntnisse müssen bei der Zubereitung von Speisen an Bord berücksichtigt werden, was eine Wissenschaft für sich ist und es den Köchen nicht gerade einfach macht. Ist das vielleicht der Grund, warum viele Mahlzeiten an Bord nicht immer die Geschmacksnerven der Passagiere treffen? 


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