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Essen im Autopilot

Man kennt das ja: »Huch, hab ich nicht eben noch eine Schüssel voll mit Snacks vor mir stehen gehabt?« und schwups weg sind sie. Dabei hat man das naschen der Chips oder Schokolade gar nicht wirklich registriert.

Für viele Menschen ist es unmöglich, an einem Teller mit Keksen im Büro vorbei zugehen oder das Dessert (nach dem rustikalen Braten!) im Restaurant wegzulassen. Die meisten wissen dabei, dass es eigentlich nicht nötig gewesen wäre und trotzdem schlagen sie zu.

Mit genießen und »heute mal nicht an die Kalorien denken« hat das meist wenig zu tun. Viel mehr zwingen uns Gewohnheiten, Umfeld und gesellschaftliche Rituale zum Zugreifen.

Eine Studie der US-amerikanischen Rand Corporation in Zusammenarbeit mit der Tulane University weist darauf hin, dass die meisten Essgelüste durch äußere Einflüsse gesteuert werden.

Das können zum Beispiel das Essen am reich gedeckten Buffet, oder der Appetit durch einen Werbespot sein. Wir essen oft ohne es zu merken und mehr als wir eigentlich bräuchten.

Haben wir die Kontrolle über unser Essverhalten etwa endgültig verloren? Sind wir jedem vorbeiziehendem Duft, jedem Anblick einer Speise hilflos ausgeliefert? Natürlich nicht. Nur vergessen wir manchmal warum wir essen.

Wir registrieren die Situationen und Einflüsse nicht bewusst, die uns zum Essen verleiten. Gerade Abnehmwillige identifizieren oft sich selbst als Verantwortlichen, wenn sie ihren Appetit hinterfragen. »Ich kann nun mal nicht ohne Schokolade« . Das frustet, weil man glaubt versagt zu haben.

Die Umwelt in unsere Essverhalten einbeziehen

Dabei sollten wir tiefer in uns gehen und auch die Umwelt mit einbeziehen, denn sie ist zu einem großen Teil für Heißhunger, Appetit und Überessen verantwortlich. Man sollte sich deshalb vor dem Essen oder Naschen stets Fragen stellen, wie:

  • In welcher Situation habe ich Appetit auf Schokolade?
    Ist es weil ich sie jeden Nachmittag esse oder weil ich schon tagelang keine Süßigkeiten mehr gegessen habe?
  • Warum esse ich in großer Feierrunde mit üppigem Buffet viel mehr als sonst?
    Ist es weil die anderen auch so hemmungslos zuschlagen? Oder weil es so viele Sachen gibt die ich probieren möchte? Vielleicht aber auch weil ich mich den ganzen Tag zurück gehalten habe und jetzt schlemmen will?
  • Warum muss es zum guten Film immer Knabbereien geben?
    Ist es vielleicht schon in Kindertagen so gewesen, dass in der Familie zum Film geknabbert wurde? Gönnt man sich nur bei einem Film Flips, Schoki & Co., ist es also etwas Besonderes, eine Art Ritual? Es gibt selten nur eine Antwortmöglichkeit: Bei Schokolade ist es vielleicht die Gewohnheit, beim Buffet vielleicht die Lust Neues zu probieren.

Bewusstes essen und genießen

Es gibt verschiedene Situationen und Einflüsse die uns zum Essen bewegen. Auf einige kann, oder sollte man sogar eingehen, andere verleiten uns nur zum unnötigen Essen und sind verantwortlich für die Extra-Kilos.

Gewohnheiten zählen zu den Einflüssen die abgeschafft werden sollten. Wer etwas aus Gewohnheit tut, begibt sich mit seinem Essverhalten in eine Art „Autopilot“. Es kommt dann nicht mehr auf Bedürfnisse, Lust und Spaß am Essen an, sondern eher auf die Erhaltung der Gewohnheit.

Isst man bspw. jeden Nachmittag ein Stück Kuchen oder Schokolade, ist der Genuss dieser Leckerei bei Weitem nicht so einprägsam wie das Verlustgefühl, wenn es auf einmal keinen Kuchen oder keine Schoki mehr geben darf (z. B. weil man abnehmen möchte). Dabei ist Schokolade doch ein Genuss- und kein Suchtmittel.

Schokoladen-Sucht adé

Die Sucht nach Schokolade ist jedoch ähnlich der Nikotinsucht: Die körperliche Abhängigkeit geht gegen null (Die Entzugserscheinungen bei Nikotinsucht können max. 8 Stunden andauern und sind äußerst schwach). Es muss also die Gewohnheit sein, die uns bei Nicht-Konsum quält.

Ähnlich der Nikotin-Entwöhnung verläuft auch eine „Schoki-Entwöhnung“, nur dass man Schokolade ja weiterhin essen darf. Aber eben nur aus Genuss! Um die Schoko-Gewohnheit loszuwerden, braucht man keinen Ersatz, sondern nur ein Gehör für die innere Stimme. Die sagt entweder: »Du brauchst das jetzt wirklich. Der Appetit ist so stark« oder »Eigentlich ist es nur der Anblick der mich an den Genuss erinnert, ich kann jetzt auch darauf verzichten«.

Nach einer Weile „kaltem Entzug“, der bei jedem Gewohnheitsbruch nötig ist, kann man das Gehör auf die innere Stimme langsam trainieren. Man wird feststellen: Hat man eine Gewohnheit einmal gebrochen, kann man sich bald nicht mehr vorstellen sie je gehabt zu haben.

Eines ist bei dem Hören der inneren Stimme ist grundsätzlich wichtig: Man sollte unterscheiden zwischen Reizen aus der Umwelt, Anblick, Duft, Assoziationen (mit) einer Speis, oder der persönlichen Eingebung. Der Körper will uns mit richtigem Appetit, also einem Bedürfnis, dass nicht durch äußere Einflüsse hervorgerufen wurde, stets etwas mitteilen. Denken wir z. Bsp. den ganzen Tag an irgendein Lebensmittel oder ein Gericht, dann sollten wir diesem tiefen Verlangen danach auch folgen. Dann ist man kein Gewohnheitstier mehr, sondern ein Genussmensch.