Bio kann nicht jedem schmecken


Bio ist ein Thema das uns alle angeht. Ob Dich Bio nervt oder Du der absolute Bio-Fanatiker bist, keiner kommt an Bio vorbei. In "Deine Kolumne", erzählt unsere Redakteurin, wie sie das Thema Bio erlebt.

Bio Bio, ich höre immer nur Bio

Ich stehe mit einer Freundin in Berlin-Kreuzberg auf nem Bürgersteig und warte auf meine Schwiegermutter. Während ich die vorbeifahrenden Menschen mustere und überlege, ob meine Kinder sich später auch so anziehen werden, entdeckt meine Freundin einen Bioladen, direkt hinter uns. Bioläden, vegane Supermärkte, low fat Soja-Lattes, veganes Rührei, Tofu-Entenbraten…die Angebote sprießen seit Jahren aus dem Boden, wie schlechte Haarschnitte aus den Köpfen der Berliner.

"Bio" ist aber nicht gleich "Bio", habe ich mir sagen lassen. "Kraut und Rüben" ist ein ganz besonderer Biosupermarkt: Alteingesessen und darum mit Existenzberechtigung. Kreuzberg ist da konsequent. Sowohl Bioläden, als auch amerikanische Fastfoodketten werden schnell gezeigt, dass sie nicht nach Kreuzberg gehören. Nach Prenzelberg vielleicht, aber nicht nach Kreuzberg. So ist das mit so einigen "Neuerungen". Stylische Boutiquen, Fashion Week, Touristen, Zugezogene: Die gehören auch nicht nach Kreuzberg. Sagen die Kreuzberger. Zumindest die, die ihre 3 Straßen selber noch nie verlassen haben. "Watt der Bauer nich kennt, ditt schmeckt ihm och nich". Da ist auch der ein oder andere Großstadt-Bezirk kleinbürgerlich.

Media Spree, Erster Mai-Krawalle, Love Parade-Straßendreck…es gibt einige Themen, für die angeblich die Touristen in Berlin, die Verantwortung tragen. "Früher war hier allet anders", schallt es durch die Hinterhöfe. Und mit den "Neuen" kam auch ein neues Bewusstsein in die Stadt und mit dem, die veganen Supermärke. Ein Laib Brot für 8,50 Euro und eine Flasche handgeklöppelter Apfelsaft für 4,40 Euro. Und ja, ich finde auch, dass diese Preise und Fleischersatz aus Soja irgendwie unnötig sind. Aber Bio-Landwirtschaft ist nun mal aufwendiger, die Verarbeitung anspruchsvoller, der Handel kleinteiliger, weil geringere Mengen umgesetzt werden und die Produkte werden strenger kontrolliert.

Bio und Zugezogene scheinen irgendwie zusammenzugehören. Angeblich ist eine Subkultur entstanden, die kein anderes Ziel hat als und vorzuhalten, wie unverantwortlich wir mit unserem Lebensraum und anderen Lebewesen umgehen und wie eklig wir sind, weil wir uns mit diesem Industriescheiß vollstopfen. Und wir dachten Gentrifizierung sei das Problem. Geht es also darum, dass die, die Bio und Zugezogene nicht mögen einfach Angst haben? Angst davor sich mit dem Thema Bio nicht auseinandersetzen zu müssen, weil sie wenigstens nicht in ihre Käse-Schinken-Stulle reinreden lassen wollen? Und Zugezogene finden sie doof, weil sie einem täglich vorhalten, dass man eben nicht zu dieser Elite gehört, die den Luxus hat, sich Bio leisten zu können?

Klar, dass das funktioniert. Möchte ich also zu der einen hippen, leicht ökoangehauchten, trotzdem iPhone nutzenden Gruppe gehören, die sich (und da sein wir mal ehrlich) Bioprodukte auch leisten kann, muss ich mitziehen. Und das konsequent, selbst wenn ich daran pleitegehe oder meinen Job verliere, weil ich mich täglich 5 Stunden darüber informieren muss, was man jetzt alles wieder nicht mehr kaufen darf. Oder ich benutze bewusst keine Bioprodukte, weil ich den Wahn nicht mitmachen möchte und lehne mich gegen den Trend auf: Am besten durch konsequenten Analogkäse und Döner Verzehr. Hü oder Hott? "Bio-alternative-Elite" oder "Wir waren zuerst hier-Industrie-Pöbel"?

Aber muss man sich wirklich entscheiden? Ich finde nicht. "Nicht mehr alles wie früher", schon klar, aber das "neue Bewusstsein" hätte auch früher schon einsetzen können. Dann hätten wir jetzt nicht den Salat. Wir wollen es doch alle so bunt, international und gesund. Da zeigt man dem netten französischen Pärchen am Fahrkartenautomat halt mal, wie man nach Friedrichshain kommt. Zum Dank gibt es dann auch noch ein Lächeln und ein "Germans are so helpful".

Und was Bio angeht: Niemand erwartet, dass man in jeder Hinsicht richtig handelt: Die Bank wechselt, weil das Kritikinstitut des Vertrauens in die Herstellung von Waffen investiert, jeden Tag drei Mal Blut spendet, ein Patenkind in Simbabwe unterstützt und dann auch noch sein Konto durch den Kauf teurer ökologischer Lebensmittel belastet. Und trotzdem kaufe ich Biomilch und Bioeier, habe einen Organspendeausweis und fahre Rad. Das ist mein kleiner Beitrag. Mit dem kann ich, inklusive Gewissen ganz gut leben.

Klar, es muss nicht immer die superteure Veggie-Pastete aus dem Bioladen sein. Aber: Selbermachen. Oder Obst und Gemüse vom Wochenmarkt kaufen. Darauf achten, Produkte zu wählen die aus der Region kommen und saisonal sind. Einen kleinen Beitrag kann jeder leisten. Für seine Gesundheit, die Umwelt, die Mitmenschen und für sein schlechtes Gewissen.

Ich persönlich beschließe ruhig zu bleiben. Meine Freundin hat einen anderen Plan: „Boar, ich würd da so gerne reingehen, die Tofu und Weidengraspasten durch den Laden werfen und schreien. Ja BIO, SCHÖN. ET IS ABER NICH IMMER ALLET SONNENSCHEIN!“ Vom Geschrei angezogen, kommt meine Schwiegermutter um die Ecke. „Was schreit ihr denn so?“ Sie bemerkt den abwertenden Blick meiner Freundin Richtung Bioladen. „Ja, mit Bio übertreiben es die Leute. Aber „Kraut und Rüben“ ist ein toller Laden. Der war schon immer hier in Kreuzberg.“

Du willst mehr zum Thema Bio erfahren? Dann schau hier vorbei!

©
Noch keine Bewertungen
Kommentare (5)
Share/Save

Autor: Anna B. verfasst am 19.06.2012 15:27
Anna interessiert sich schon seit Jahren für gesunde Ernährung und vor allem für die Kunst ein ausgeglichenes und glückliches Leben zu führen. Immer auf der Suche nach neuen Tipps und Tricks in Sachen Abnehmen, Ernährung und Bewegung, ist sie bestens informiert und steht Euch gerne mit Rat und Tat zur Seite.
 
Verfasst von
lilifeee
am 19.06.2012
17:25 Uhr
Das ist sooo lustig geschrieben. Es macht lust auf mehr, mehr von Anna B.!!!!!
 oder 
Verfasst von
pitzpatz
am 21.06.2012
15:26 Uhr
Bio terror hin oder her- schmecken musset ne, Die ganzen Soja Freaks die in lebend-rupf-Daunen-Kissen pennen ham doch auch nix gekonnt. Irgendwann Muss man sich doch auch mal wieder entspannen Dürfen mit dem Thema, ich geh jetz ne Currywurst essen! Aber das Rind wurde irgendwann mal gekrault und war draußen...
 oder 
Verfasst von
jayjay
am 22.06.2012
19:51 Uhr
hahahha, dufte
 oder 
Verfasst von
Boris
am 25.06.2012
11:58 Uhr
Danke. Macht Spaß zu lesen. Mehr davon
 oder 
Verfasst von
Bienchen-261
am 29.06.2012
11:41 Uhr
Ey das Thema geht mir auch so aufn Keks. Ich mag Bio aber deshalb gehör ich noch lange nich zu irgendeiner Bio-Szene. Spricht mir ausm Herzen
 oder 
Dein Name*:
E-Mail *:
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
* Dieses Feld wird benötigt.
Antwort:
Über Änderungen informieren.