Haartransplantation: Möglichkeiten, Ablauf, Kosten
Haarausfall ist kein klassisches Männerproblem, der genetische Haarausfall kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen. abnehmen.net hat bei Dr. Gary Weiand, Facharzt für Chirurgie und leitender Arzt für den Bereich Haartransplantation in der Mang Medical One Klinikgruppe, nachgefragt, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen, welche Ergebnisse erzielt werden können und ob Krankenkassen die Kosten tragen.
Wann ist eine Haartransplantation sinnvoll?
Dr. Weiand: Eine
Eigenhaartransplantation ist vor allem bei Patienten mit genetischem Haarausfall sinnvoll, bei denen sich im Haarschopf sehr lichte oder kahle Stellen gebildet haben.
Welche Möglichkeiten der Haartransplantation gibt es?
Dr. Weiand: Die modernste Technologie stellen die FU-Verfahren dar: Bei der Streifenmethode (FUT-Methode) wird ein bis zu 25 cm langer und bis etwa 1,5 cm hoher Streifen am Hinterkopf entnommen. Die Wunde wird dann mit einer Klammernaht verschlossen und ist durch das überliegende Haar nicht mehr sichtbar. Bei der FUE-Methode werden die Haar-Transplantate einzeln entnommen. Dieses Verfahren ist besonders für kleinere Transplantationen geeignet.
Wie läuft die Haartransplantation genau ab?
Dr. Weiand: Die Haartransplantate werden zunächst per FUT- oder FUE-Methode aus dem Haarkranzbereich des Hinterkopfes entnommen und unter großen Stereo-Mikroskopen bearbeitet. Auf den kahlen Stellen werden mit kleinsten Skalpellen mit einem durchschnittlichen Durchmesser von ca. 1mm Stichkanäle – so genannte „slits“ – angelegt. Sie werden entsprechend der natürlichen Haarwachstumsrichtung an diesem Ort ausgerichtet. In diese Kanälchen werden dann die Transplantate eingesetzt. Die neuen Haare wachsen dann in der vorgegebenen Richtung aus. Da der Eingriff in lokaler Betäubung durchgeführt wird, ist er äußerst schmerz- und risikoarm.
Welche Haardichte/Ergebnisse kann man realistischerweise erzielen?
Dr. Weiand: Ziel des Eingriffs ist eine Rahmung des Gesichtes durch eine neue Haarlinie und eine kosmetische Deckung der kahlen Areale. Im Gegensatz zu anderen Methoden, z.B. Perücken, sieht das Ergebnis absolut natürlich aus und ist von lebenslanger Dauer. Den Patienten ist der Eingriff, wenn er von einem erfahrenen und spezialisierten Arzt durchgeführt wird, nicht anzusehen.
Wo sind die Grenzen der Haartransplantation?
Dr. Weiand: Eine komplette Glatzenbildung kann natürlich nicht bedeckt werden, da das Spendermaterial hierfür nicht ausreichend ist. Hier wird entweder der Stirn- oder der Wirbelbereich transplantiert. Bei diffusem Haarausfall, der den gesamten Kopf betrifft, ist eine Eigenhaartransplantation nicht sinnvoll, da hier auch die transplantierten Haare wieder ausfallen.
Wie viele Behandlungen sind notwendig?
Dr. Weiand: Die Eingriffe sind auf ein gutes kosmetisches Ergebnis bei einmaliger Behandlung angelegt. Bei höherem Anspruch ist ein Zweiteingriff zur Verdichtung möglich.
Wie lange dauert die Behandlung insgesamt?
Dr. Weiand: Dies ist vom Eingriffsumfang abhängig. Bei einer Bandbreite von 500 bis 3000 Transplantaten können die Eingriffe zwischen 3 und 9 Stunden dauern.
Wenn Haarausfall erblich bedingt ist, ist eine Haartransplantation dennoch hilfreich? Fallen die Haare danach nicht mehr aus?
Dr. Weiand: Die Haartransplantate werden im Haarkranzbereich des Hinterkopfes entnommen, der auch bei alten Männern typischerweise erhalten bleibt. Diese Haare sind genetisch so kodiert, dass sie nach Umverteilung auf kahle Stellen auch hier nicht mehr ausfallen, denn die genetische Kodierung wird auf die kahlen Stellen übertragen. Die Eigenhaartransplantation ist folglich eine Dauerlösung, die Haare können in üblicher Weise gekämmt, geföhnt und frisiert werden.
Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Dr. Weiand: Die Kosten variieren je nach Eingriffsumfang zwischen 3000 Euro und 7000 Euro.
Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Eingriff?
Dr. Weiand: Die Behandlungskosten bei genetischem Haarausfall werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Handelt es sich allerdings um einen Haarverlust infolge einer anderen Grunderkrankung oder eines Unfalls, so ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich.
Ist Haarausfall ein klassisches Männerproblem?
Dr. Weiand: Nein, der genetische Haarausfall betrifft auch Frauen, wenn auch nicht so häufig wie Männer. Auch hier ist eine Eigenhaartransplantation möglich und hilfreich.
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