Übergewichtige schuld an mehr CO2-Austoß?


Eine umstrittene Studie wurde von britischen Forschern der „London School of Hygiene and Tropical Medicine“ vorgelegt. Die Macher dieser Studie kamen zu dem Ergebnis, dass der steigende Ölpreis und der hohe CO2-Ausstoß im mittelbaren Zusammenhang mit verbreiteten Übergewicht in der Bevölkerung einhergehen. Übergewicht ist also Mitverursacher des Klimawandels?

 

Etwas übertrieben


So pauschal kann man das natürlich nicht sagen, Übergewicht trägt Schuld am CO2 Ausstoß. Phil Edwards, Statistiker und Co-Autor der Studie meint: In Ländern mit vielen Übergewichtigen (z. B. Groß Britannien, U.S.A) liegt der Energieaufwand für die Lebensmittelproduktion um bis zu 18 Prozent höher, als in Ländern ohne „Übergewichtsprobleme“. Die Studie geht dabei von einem Mehrverzehr von 460 Kilokalorien pro Übergewichtigen aus.

 

Weniger Bewegung


Weiterhin steigen, laut Edwards und Kollegen, mit dem Übergewicht auch die CO2-Emission beim Transport, also die Fortbewegung mit Auto oder Bus.

Die Übergewichtigen bewegen sich demnach weniger zu Fuß oder greifen seltener auf das Fahrrad zurück, so Edwards & Co.

Summa Summarum schlussfolgern die britischen Wissenschaftler: Übergewichtige tragen eine Mitschuld am Klimawandel und an den steigenden Energiepreisen. Gehen wir den Berechnungen der Forscher Edwards & Co. mal auf den Grund:
  • Man nehme die Zahl der Weltbevölkerung. Das sind 6 Milliarden. Davon lebt ca. eine Milliarde Menschen (1/6 der Weltbevölkerung) in entwickelten Gesellschaften (U.S.A., Deutschland, Großbritannien).
  • Hinzu ziehe man den jährlichen Gesamtausstoß an Treibhausgasen: 42 Milliarden Tonnen und teile diese Zahl durch die Weltbevölkerung. Dann kommt man auf einen Pro-Kopf-Ausstoß von 7 Milliarden Tonnen Treibhaus pro Milliarde Erdbewohner im Jahr (1 Mensch = 7 Tonnen Treibhausgas/Jahr).
Ein chinesischer Bauer, garantiert nicht übergewichtig, verbraucht in dieser Berechnung gleich mal genauso viel wie ein britischer Banker mit Landrover? Sehr zweifelhaft. Wie dem auch sei, wir folgen weiter der Berechnung:
  • Weiterhin geht man davon aus, dass ein Fünftel der 7 Mrd. Tonnen Treibhausgase aus der Lebensmittelproduktion stammen. Macht also 1,4 Milliarden Tonnen Lebensmittel-Treibhausgase pro Milliarde Erdbewohner im Jahr (1 Mensch = 1,4 Tonnen Lebensmittel-Treibhausgas/Jahr).

 

Und hier kommt die Lücke


Wie wird der erhöhte Treibhausgas-Ausstoß für Übergewichtige ermittelt? Die Studie besagt, dass Gesellschaften mit hohem Anteil Übergewichtigen bis zu 18% mehr Lebensmittel-Treibhausgase produzieren. Sie gehen davon aus, dass jeder Übergewichtige 460 Kilokalorien am Tag zusätzlich verzehrt. Wir also der Mehrausstoß anhand von Kalorien berechnet? Ziemlich wackelig, oder?

1) Was ist mit den überflüssig produzierten Lebensmitteln? Der hohe Energieaufwand für die Lebensmittelproduktion wird auch durch die Überproduktion verursacht. In den U.S.A., so Tim Church (Leiter des Bereichs Gesundheitswissenschaft der Louisiana University in Baton Rouge) wird ein Viertel der produzierten Lebensmittel in den Müll geworfen. Ein Übergewichtiger der vorausschauend einkauft kann also weniger CO2 emittieren als ein normalgewichtiger Verschwender.

2) Was ist mit den Kosten für Transport/Logistik?
Eine Ananas muss viele Kilometer zurücklegen ehe sie auf unserem Teller landet. Diese langen Transportwege tragen ebenfalls zu CO2 Emission bei. Ein Übergewichtiger der nur regional verarbeitete Lebensmittel kauft und verzehrt, verursacht also weniger Transport-CO2 als ein, wahrscheinlich schlanker, Liebhaber exotischer Früchte.

3) Was ist mit dem CO2-Ausstoß durch Weiterverarbeitung von Lebensmitteln?
Jeder Schritt der Weiterverarbeitung eines Lebensmittels nimmt Energie in Anspruch. Warum also nicht die Produzenten von Fertiggerichten anprangern oder sonstige verarbeitende Industrie? So können Normalgewichtige, die sich nur von Fast Food und Tiefkühl-Pizza ernähren, mehr CO2- Ausstoß verursachen als übergewichtige Bio-Fans.

Wem soll nun also der Schwarze Peter zugeschoben werden? Den Dicken weil sie scheinbar mehr essen oder den Dickmachern, der Lebensmittelbranche? Man könnte sich auch fragen was zuerst da war: das Übergewicht oder das Überangebot?

Übergewichtige zur Mitursache steigender Ölpreise und CO2-Werte zu machen, ist doch sehr banal. Und wer seine Studien unter dieser Parole veröffentlichen will, sollte sich über Zweifel an der Glaubwürdigkeit nicht wundern. Es ist zwar eindeutig richtig, das westliche Gesellschaften durch die Lebensmittelproduktion viel mehr CO2 verursachen als Entwicklungsländer. Das ist aber ein Problem das im gesamten System Ursachen und Auswirkungen hat.

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Autor: Claudia verfasst am 24.06.2008 17:21
Claudia ist begeisterte Freizeitsportlerin und seit ihrer eigenen Diät, bei der sie ganze 25 Kilo verlor, bestens über Diäten, Abnehm-Methoden und Fitness informiert. Nach ihrer Schwangerschft versucht sie nun Sport, Job und Kind unter einen Hut zu bekommen - was manchmal nicht so einfach ist.
 
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