abnehmen.net

Muskel Mythen

Sind Muskeln schwerer als Fett? Entsteht Muskelkater durch Milchsäure oder ist der Muskel ermüdet, wenn er beim Training brennt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Kraftprotzen unseres Körpers.

Sind Muskeln schwerer als Fett?

Eine Frage, die viele Sportler und Abnehmwillige antreibt: Wiegen die Muskeln mehr als Fett? Kann man eine Gewichtszunahme damit erklären, dass leichtes Fett in schwere Muskeln umgewandelt wurde?

Der Satz „Muskeln sind schwerer als Fett“ stimmt nicht wirklich. Beides ist natürlich gleich schwer: 1 Kilo Muskeln sind eben nun mal so schwer wie 1 Kilo Fett – das ist ein unumstößliches Naturgesetz. DerUnterschied liegt im Volumen. Fett ist eine inaktive Masse und nimmt mehr Volumen als arbeitende Muskelmasse ein.

Nimmt man zum Beispiel einen Kubikzentimeter (cm³) Fett, so wiegt dieser Kubikzentimeter 0,94 Gramm. Nimmt man einen Kubikzentimeter Muskelgewebe, so wiegt dieses schon 1,05 Gramm. Ein Kubikzentimeter Muskelmasse wiegt also etwa 12-15 Prozent mehr als ein Kubikzentimeter Fett.

Viele meinen, dass sie bei einer Diät so viel Muskelmasse zunehmen und sich deshalb auf der Waage nichts tut, weil „Fett durch Muskeln“ ersetzt würde. Das ist nicht ganz richtig: Wäre es tatsächlich möglich, Fett durch Muskeln zu ersetzen, so würde man das durch eine Gewichtszunahme kaum spüren.

Oft heißt es ja, in Abnehmforen und Zeitschriften, dass Muskeln das Doppelte – ja sogar 4-fache – von Fett wiegen. Das stimmt also nicht.

Richtig ist aber, dass man in der Anfangszeit eines regelmäßiges Trainings sehr schnell Muskelmasse aufbaut. Das kann gut ein Kilogramm pro Monat ausmachen. Mit stetigem Training sinkt die Geschwindigkeit des Muskelaufbaus jedoch. Je besser man trainiert ist, desto mühsamer gelingt der Muskelaufbau.

Wie wachsen Muskeln?

Muskeln wachsen nicht, wie oft behauptet, indem neue Muskelzellen entstehen. Die vorhandenen Muskelzellen werden vergrößert. Die Muskelzellen schwellen aber nur an, wenn die vorhandenen Zellen regelmäßig bis zur Erschöpfung belastet werden.

Verbrauchen Muskeln viele Kalorien?

Muskelmasse ist aktive Masse. Das heißt, dass Muskeln, im Gegensatz zu Fett, fest an den Blutkreislauf angeschlossen sind und auch Nährstoffe (Kalorien) verbrauchen. Denn der Muskel muss „warm gehalten“ werden. Außerdem benötigen die einzelnen Zellen Nahrung, um sich am Leben zu halten und um zu wachsen. Fett ist inaktive Masse. Also lediglich ein Speicher von Energie, der dem Körper nur Platz abverlangt, sonst nichts.

Ein Kilogramm Muskelmasse verbraucht im Ruhezustand etwa 100 Kalorien in 24 Stunden. Wer also 1 kg Muskeln aufbaut, der verbraucht täglich etwa 100 Kalorien mehr. Das ist an sich nicht viel, aber es summiert sich über das Jahr auf viele Tausende Kalorien. Um ein Kilogramm Körperfett loszuwerden muss man übrigens etwa 7.000 Kalorien einsparen. Ein Klacks mit ein paar Gramm Muskeln mehr!

Kann man alle Muskeln des Körpers trainieren?

Jeder Mensch hat 639 Muskeln, manche so klein, dass man sie nur schwer bis gar nicht bewusst ansteuern kann. Muskeln können nur eine Sache: Zusammenziehen und wieder lösen, auch „Kontraktion“ genannt. Damit sich ein Muskel zusammenzieht, muss eine bestimmte Bewegung ausgeführt werden. Dabei spielen auch Gelenke und Knochen eine wichtige Rolle.

Das Lösen einer Muskelkontraktion, also die Muskelanspannung, geschieht über den so genannten Komplementärmuskel oder Gegenspieler. Jeder Muskel hat einen Gegenspieler: der Bizeps den Trizeps, der Beinbeuger den Beinstrecker, etc.

Nur jeweils einer der beiden Muskeln kann sich zusammenziehen. Wenn ein Muskel kontrahiert, löst sich sein Gegenspieler und andersherum. Diese Muskeln alle bewusst zu trainieren, ist mit nur einer Trainingseinheit und ohne anatomische Kenntnisse nicht möglich.

Es gibt aber Sportarten die sehr viele Muskeln auf einmal trainieren, wie zum Beispiel Schwimmen.

Ist der Muskel ausgepowert, wenn er brennt?

Bei dauerhaften oder kurzfristig sehr hohen Belastungen, beim Laufen oder Gewichtheben zum Beispiel, nutzt der Muskel erst nur ein paar seiner Muskelzellen, soviel wie eben nötig. Wenn diese Zellen ermüdet sind, kommen die nächsten an die Reihe, bis alle einmal dran waren. Dann geht es wieder von vorn los.

Wird, nachdem die Power aus allen Zellen raus ist, trotzdem weiter Kraft gefordert, so versagt der Muskel und kann nicht mehr kontrahieren. Keine der Zellen hat mehr die Kraft, um sich zusammen zu ziehen. Die Muskeltätigkeit versagt vollkommen und die Bewegung kann nicht mehr ausgeführt werden.

Wenn es im Muskel brennt, hat das noch nicht zu bedeuten, dass alle Muskelzellen ermüdet sind. Man sollte, um alle Muskelzellen einmal zu beanspruchen, den Muskel bis zum Erschöpfen trainieren. Wer also eine Hantel schon beim ersten Brennen weglegt, hat zwar die Muskelzellen trainiert, ihnen Leistung abverlangt, aber einige Muskelzellen blieben noch unberührt.

Hebe die Hanteln und andere Gewichte darum so lang, bis die Bewegung (beim letzten Satz) nicht mehr ausführbar ist. Das ist anstrengend, aber die einzige Möglichkeit, um Muskeln wachsen zu lassen.

War das Training nur gut, wenn man Muskelkater hat?

Wie Muskelkater entsteht, haben wir euch erklärt. Der Körper vergrößert seine Muskelzellen nur, wenn er der Meinung ist, dass die vorhandene Größe der Muskelzellen nicht ausreicht.

Trainiert man bis zur vollen Erschöpfung, kann es sein, dass einige Zellen beschädigt werden. Dann entsteht ein mehr oder weniger schmerzhafter Muskelkater. Aber erst, wenn alle Zellen erschöpft wurden entstehen Reize, die den Muskel zum Wachsen bringen, also die einzelnen Muskelzellen anschwellen und größer werden lassen.

Muskelkater ist also ein relativ gutes Zeichen
. Aber auch ohne Muskelkater können Muskeln wachsen. Nicht immer, wenn man den Muskel bis zur Erschöpfung trainiert, werden dabei Zellen beschädigt. Muskelkater kann, muss aber nicht, Ergebnis der vollkommenen Muskelerschöpfung beim Training bedeuten.

Wichtig ist, dass man den Muskel ständig fordert. Der Reiz, der das Muskelwachstum hervorruft verklingt nach 2-4 Tagen wieder. Darum ist regelmäßiges Trainieren, am besten alle 2 Tage, wichtig für Muskelaufbau und Muskelerhalt.